Die psychischen Voraussetzungen im Wasserspringen werden durch das Sportartenprofil Wasserspringen abgebildet. Sie untergliedern sich in vier Bereiche:
Wahrehmungsbezogene Fähigkeiten
Nachfolgend dargestellte Beschreibungen basieren auf Trainer*inneninterviews aus dem Nachwuchsleistungssport im Wasserspringen und wurden im Rahmen des Projekts "Weiterentwicklung der Auswahl und Entwicklung von Nachwuchsathlet*innen" gemeinsam mit dem IAT erstellt.
Selbstwertgefühl
Das Selbstwertgefühl ist ein Erfolgsfaktor für die Karriere im Wasserspringen. Sportler*innen stehen im Training und besonders im Wettkampf als Individualsportler*innen im Fokus. Sie müssen sich präsentieren und werden auf ihre individuelle Leistung hin bewertet. Eine hohe Ausprägung macht sich im Ausdruck, der Gestik, der Körperhaltung und dem Willen, sich und seine Sprünge gut zu präsentieren erkennlich. Dadurch hat es eine positive Wirkung auf die Wahrnehmung und Bewertung der Kampfrichter*innen. Positives, lobendes Feedback durch Trainer*innen sowie das unmittelbare Umfeld der Sportler*innen sind wichtige Unterstützung beim Aufbau des Selbstwertgefühls.
Werteorientiertes Handeln
Werteorientiertes Handeln beinhaltet grundlegende Werte, die sowohl im sportlichen als auch im außersportlichen Bereich eine zentrale Rolle spielen. Ein teamorientiertes und respektvolles Miteinander schafft eine positive Trainingsatmosphäre, in der sich Sportler*innen wohlfühlen und gerne teilnehmen. Besonders im Kinder- und Jugendsport ist dabei der Schutz junger Sportler*innen von großer Bedeutung. Darüber hinaus beeinflusst wertebasiertes Verhalten auch die Außenwirkung der Sportler*innen in der vergleichsweise kleinen Welt des Wasserspringens – ein Aspekt, der sich nicht zuletzt auf die Wahrnehmung und Bewertung im Wettkampf auswirken kann.
Nonverbale Kommunikation
Nonverbale Kommunikation spielt im Wasserspringen sowohl im Austausch mit dem Trainerteam als auch in der Wirkung auf das Kampfgericht eine entscheidende Rolle und sollte gezielt trainiert werden. Zwischen Sportler*innen und Trainer*innen entwickelt sich häufig eine individuelle Zeichensprache, die durch Blickkontakte ergänzt wird. Diese Form der nonverbalen Verständigung ermöglicht eine effektive Kommunikation – auch in lauter Umgebung und über größere Distanzen. Im Wettkampf ist es zudem wichtig, dass Sportler*innen durch ihre Körpersprache eine positive und selbstbewusste Ausstrahlung zeigen, um beim Kampfgericht einen starken Eindruck zu hinterlassen. Die subjektive Wahrnehmung der Sportler*innen kann die Bewertung maßgeblich beeinflussen.
Antizipation
Im Wasserspringen ist eine ausgeprägte Antizipationsfähigkeit in jeder Phase des Sprunges entscheidend. Der Anlauf hat Einfluss auf den Sprungansatz, der wiederum hat Einfluss auf die Rotationsgeschwindigkeit und somit auf den Streckzeitpunkt und die Eintauchphase. Es ist also von entscheidender Bedeutung, die Auswirkungen spezifischer Bewegungen – etwa Absprungpositionen, Rotationsgeschwindigkeiten und das Timing – richtig einzuschätzen. Nur so können die Folgebewegungen gezielt angepasst und Sprünge entweder optimal abgeschlossen oder im Bedarfsfall noch gerettet werden.
Sehen
Die Fähigkeit des Sehens ist besonders für die optische Orientierung in den Sprüngen wichtig. Sportler*innen müssen in Rotationsbewegungen ihre Orientierungspunkte (Wasseroberfläche, Sprungbrett, Turm) sehen und ihre Bewegung entsprechend ausrichten. Im Trainingsprozess werden unterstützend Farbmarkierungen oder Symbole verwendet, die sich im Wasser, an der Wand oder dem Sprungturm befinden. Besonders herausfordernd ist das Sehen bei Freiluftwettkämpfen, wo sich durch Regen, Sonneneinstrahlung und Reflexionen die Sicht ständig verändert. Darüber hinaus ist das Sehen auch im Rahmen des visuellen Lernens bedeutsam: Sportler*innen und Trainer*innen nutzen Videoaufzeichnungen für Sprungkorrekturen und beobachten Sprünge anderer Sportler*innen.
Aufmerksamkeit
Aufmerksamkeit ist in der Kommunikation mit den Trainer*innen erforderlich, um Hinweise und Korrekturen gezielt aufnehmen und umsetzen zu können. Im Training und besonders im Wettkampf sollte die Aufmerksamkeit auf die eigenen Abläufe und Schwerpunkte gerichtet sein, um den Fokus aufrechtzuerhalten und sich nicht von äußeren Einflüssen ablenken zu lassen. Aufmerksame Sportler*innen nehmen optische und akustische Reize schneller wahr und behalten ihre Umgebung im Blick.
Problemlösen
Wasserspringer*innen werden immer wieder mit Herausforderungen konfrontiert, bei denen auch Probleme auftreten können. Angst vor neuen Sprüngen, Orientierungsprobleme oder fehlendes Brett- und Eintauchgefühl sind Begleiterscheinungen des Trainingsprozesses. Im Nachwuchsalter liegt die Hauptverantwortung der Lösungsfindung bei den Trainer*innen, wobei Sportler*innen lernen müssen, ihre Probleme zu kommunizieren. Mit zunehmendem Alter und zunehmender Bewegungserfahrung steigt die Mit- bzw. Eigenverantwortung der Sportler*innen, passende Lösungsansätze für sich zu finden.
Sportintelligenz
Eine hohe Sportintelligenz macht sich bei Sportler*innen erkennbar, die Verständnis für komplexe Bewegungen haben und die verschiedenen Techniken im Wasserspringen verstehen. Sie können die Zusammenhänge der Teilbewegungen nachvollziehen und Korrekturen der Trainer*innen schnell umsetzen. Trainer*innen beschreiben die Sportler*innen als pfiffig, weil sie clevere Entscheidungen in der Flug- und Eintauchphase treffen, aber auch sportartübergreifende Kompetenzen vorweisen.
Schnelle Entscheidungsfindung
Im Vergleich zu vielen anderen Sportarten bleibt Wasserspringer*innen nur ein äußerst kurzer Zeitraum – oft nur wenige Millisekunden –, um auf Situationen im Sprung zu reagieren. Kein Sprung ist identisch. Entscheidungen wirken sich unmittelbar auf die Qualität und Präzision der Sprungausführung aus. Solche Handlungsentscheidungen basieren auf Bewegungserfahrungen, die erst durch jahrelanges, gezieltes Training aufgebaut werden. Sportler*innen mit sehr guten koordinativen Fähigkeiten und hoher sportlicher Intelligenz treffen in diesen Situationen schneller die richtigen Entscheidungen – ein klarer Vorteil im Wettkampf.
Präzision
Präzision ist ein zentraler Faktor für die Bewegungsqualität und somit für die Bewertung im Wasserspringen. Sie erfordert ein konzentriertes, akribisches Arbeiten an Details, exakte Ausführungen und eine Orientierung am technischen Leitbild. Sportler*innen mit einer hohen Ausprägung für Präzision sind detailverliebt, achten auf Genauigkeit und Perfektion. Während im Training die Grundlagen präziser Ausführungen gelegt werden, entscheidet sie im Wettkampf über den Erfolg.
Commitment
Commitment bedeutet, sich voll und ganz als Wasserspringer zu identifizieren und es als festen Bestandteil des eigenen Lebens zu sehen. Es erfordert den eigenen Willen, intensiv und regelmäßig zu trainieren, Wettkämpfe zu bestreiten und persönliche Ziele trotz Hindernissen zu verfolgen. Sportler*innen mit einem hohen Commitment für das Wasserspringen entwickeln eine Leidenschaft für diesen Sport. Aufgrund des frühen Hochleistungsalters und der hohen Trainingsumfänge im Nachwuchsbereich, müssen Sportler*innen diese Einstellung in jungen Jahren verinnerlichen.
Willenstärke
Die Willensstärke ist ein entscheidender Erfolgsfaktor im Wasserspringen. Sie zeigt sich in der Entschlossenheit, hohe Trainingsumfänge zu bewältigen mit dem Ziel immer besser zu werden. Willensstarke Sportler*innen wollen neue Sprünge so früh wie möglich lernen und streben dabei maximale Qualität an. Sie zeichnen sich durch einen unbändigen Willen, der/die Beste zu sein, aus.
Selbstvertrauen
Sportler*innen mit Selbstvertrauen strahlen ihre Überzeugung aus, treten eigenständig auf und rufen ihre Leistung im Wettkampf auch nach misslungenen Sprüngen ab. Durch Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten sind sie mutig und entschlossen, neue Sprünge zu lernen. In Wettkämpfen agieren sie mit großer Eigenverantwortlichkeit und strahlen Sicherheit aus. Das Selbstvertrauen der Sportler*innen muss bereits im Nachwuchstraining aufgebaut werden, wobei Trainings- und Wettkampferfolge unterstützend wirken.
Erscheinungsbild
Risikobereitschaft
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Im Sport gibt es eine Vielzahl von Emotionen. Dabei gibt es sowohl eher negativ als auch eher positive wahrgenommene Emotionen. Beispielhaft für eher negativ assoziierte Emotionen sind Angst, Wut oder Trauer. Dem gegenüber sind eher positiv wahrgenommene Emotionen Dankbarkeit, Hoffnung und Freude. Alle Emotionen können in verschieden Situationen auftreten und erfüllen wichtige Funktionen. Emotionen kommen in Training und Wettkampf vor, welche beispielsweise entweder großen Spaß machen oder durch Stress Frust auslösen, weil etwas nicht klappt. Dabei können die Emotionen allein durch den Sportler / die Sportlerin selbst ausgelöst werden oder auch durch Interaktion von Trainer*innen (interpersonale Emotionsregulation). Genau diese Situation stellt den Anknüpfungspunkt für Trainer*innen dar, um bei Athlet*innen positive Emotionen auslösen zu können.
Doch wie genau kann das in der Praxis umgesetzt werden?
Antworten gibt es in diesem FAQ
Emotionen sind Teil des Lebens. Sie kommen im Alltag vor und treten auch im sportlichen Kontext auf. Es gibt dabei eine Vielzahl von Emotionen, welche fast alle von uns kennen. Dazu zählen Emotionen, wie Angst, Ekel, Scham, Schuld oder Trauer. Diese Emotionen sind eher negativ wahrgenommen, da viele von uns sie als unangenehm bewerten. Darüber hinaus werden sie von vielen Menschen mit unschönen Situationen assoziiert.
Hinzukommen eher positiv wahrgenommene Emotionen wie Hoffnung, Dankbarkeit, Freude oder Stolz. Solche Emotionen werden von uns oft mit glücklichen Momenten aus unseren Leben in Verbindung gebracht und werden als angenehm bewertet. Eigentlich sind wir alle mit allen hier beispielhaft genannten Emotionen vertraut.
Doch spielen die verschiedenen Emotionen auch im Sport, also Training und Wettkampf, eine Rolle oder können sie vernachlässigt werden?
Die Antwort befindet sich in diesem FAQ
Die Infografik zeigt 12 Merkmale mentaler Stärke aus Sicht von Leistungssportler*innen, basierend auf der Studie von Jones et. al aus dem Jahr 2002.
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